Ortsentwicklung - Realität und Traum

von Redaktion Wuermtal.Net

wird es eine autofreie Zukunft geben?

Vor einigen Wochen waren die Bewohner von Krailling zur "Kraillinger Verkehrskonferenz" eingeladen. In Gruppen an Tische verteilt diskutierten rund 100 Teilnehmer ihre Wünsche und Vorstellungen. Eine Teilnehmerin in der Runde frage mich: "Was müsste sich ändern damit Sie Ihr Auto stehen lassen?" Ich war mehr oder weniger verblüfft. Ich arbeite von meinem Homeoffice aus und plane Termine außer Haus immer so, dass ich die Hauptverkehrszeiten und die damit verbundenen Staus bei meinen Fahrten vermeide. Probleme habe ich eigentlich nur wenn ich zu Fuß auf der Pentrieder Straße unterwegs bin. Da nervt der Gestank des Autoverkehrs und die Radler auf den Gehwegen sind mehr als lästig. Ich selber fahre mit dem Radl nur in meiner Freizeit. Am Wochenende ist der Autoverkehr in Krailling erträglich und ich fühle mich auf dem Radl nicht von Autos belästigt.

Weiterhin steigende Anzahl von PKWs

Zu Beginn der "Kraillinger Verkehrskonferenz" wies Thiess Claussen (Autor des Buches "wie leben wir 2050") in seinem Einführungsreferat auf eine weiter ansteigende Anzahl von PKWs hin. Doch alle Planer wollen die PKWs vertreiben - nicht nur in Krailling. Dies geht an der Realität vorbei! Die Fahrzeuge im Jahr 2050 werden zwar umweltfreundlicher sein und weniger Lärm erzeugen, aber sie werden in großer Zahl vorhanden sein. Und wenn sie da sind werden sie auch bewegt. Eine autofreie Gesellschaft wird es so bald nicht geben.

Aber wie werden die Autos bzw. ihre Nachfolger bewegt?

Die Antwort auf diese Frage ist leicht: Die Fahrzeuge werden überall bewegt werden wo es möglich ist. Das Verhalten wird wie heute sein. Die umweltfreundlichen Fahrzeuge werden sich vernetzt und zum Teil autonom bewegen. Staus werden kalkulierbarer sein, zum Teil sind sie das ja heute schon. Die Fahrzeuge werden von intelligenten Systemen verteilt an das jeweilige Ziel geleitet werden. Das wird nicht vergleichbar sein mit den heutigen Verkehrsleitsystemen. Letztere erzeugen auch reichlich Staus die es ohne die unzureichenden Systeme gar nicht gäbe.

Die Menschen werden sich ihren Bedürfnissen entsprechend bewegen. Wer Einkäufe mit dem Auto oder einem ähnlchen Fahrzeug erledigt wird dort einkaufen wo ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. Warum sollte sich an diesem durch Bequemlichkeit geprägten Verhalten etwas ändern? Durch Vorschriften ala Veggieday?

Wie werden die Planer reagieren?

Aktuell dreht sich die Diskussion im Würmtal um den ständig nach München hinein und wieder heraus "schwappenden" Verkehr. Dieser nervt und ist derzeit nicht zu bewältigen. Zu lange haben Planer und Politiker diskutiert anstatt zu handeln. Die berühmte zweite Röhre kommt ein Vierteljahrhunder zu spät und auch der Ausbau von leistungsfähigen Zufahrten für den Individualverkehr zu den Gewerbegbieten lässt zu wünschen übrig. An diesen Mißständen wird sich die nächsten 10 Jahre nichts ändern. Ob und wann die Planungen zu sinnvollen Lösungen führen kann niemand voraussagen. Vermutlich werden die Bürger die Politiker wieder mit Bürgerentscheiden zum handeln zwingen müssen.

Wohnortnahe Arbeitsplätze und Lieferdienste können Verkehr vermindern

Lieferdienste werden zunehmen. Immer wieder stoße ich auf Menschen, die eigentlich gar nicht Internet afin sind, aber wegen der Lieferdienste beginnen, sich mit dem Internet zu beschäftigen. Für die Smartphonegeneration sind diese Dienste schon längst selbstverständlich. Man darf nicht allein auf die Fahrten der Lieferfahrzeuge schauen, denn ein einziges Lieferfahrzeug hilft, hunderte von Fahrten zum einkaufen zu vermeiden.

Eine weiter Lösung könnten wohnortnahe Arbeitsplätze und natürlich idealer Weise Heimarbeitsplätze sein. Viele Berufe in Verwaltung, Konstruktion und Planung eignen sich für das bei vielen Arbeitnehmern und Selbständigen beliebte Homeoffice. Durch den Wegfall des Arbeitsweg entsteht zusätzliche Freizeit und eine Entlastung der Verkehrssysteme.

Aber auch Arbeitsplätze in der Nähe des Wohnorts helfen, die zurückzulegende Anzahl von Kilometern zu verringern. Ob der Arbeitsweg zur KIM vier Kilometer vom Ortzentrum in Krailling und wieder zurück beträgt oder 20 Kilometer in den Münchner Norden und wieder zurück beträgt macht in der Masse einen riesigen Unterschied - an aufgewendeter Zeit, Energie und Umweltbelastung.

Flächenfraß in Bayern

Wenn Gewerbegebiete auf der "Grünen Wiese" entstehen wird gerne der Flächenfraß ins Feld geführt. Tatsache ist: Menschen müssen wohnen und arbeiten. Warum sollen entlang der Autobahnen, S-Bahnen und Bahnlinien keine gut erreichbaren Gewerbegebiete entstehen? Macht es mehr Sinn, dass die Hälfte der Arbeitnehmer in Oberbayern wie die Lemminge nach München und zurück fahren? Vielleicht sollte man über den Rückbau von Straßen in inzwischen entvölkerten Gebieten nachdenken. Entweder kommt die Arbeit zu den Menschen oder die Menschen werden sich zur Arbeit bewegen. Und Wohnraum in München ist nicht mehr bezahlbar und wird das auch nie wieder sein!

 

 

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