Nicht der Diesel, sondern die ewigen Staus verursachen die Luftverschmutzung!

von Redaktion Wuermtal.Net

Fazit über ein halbes Jahrhundert SPD-dominierter Stadtentwicklung

München ist Deutschlands Stau-Hauptstadt
München ist Deutschlands Stau-Hauptstadt

SPDler und Grüne haben in der Vergangenheit Staus als Instrument der  Verkehrserziehung eingesetzt. Die Autogläubigen sollten umerzogen werden und den öffentlichen Nahverkehr benutzen. Allerdings hat man vor lauter Bevormundung übersehen, den öffentlichen Nahverkehr entsprechend auszubauen. Die Folgen sind ständige Staus und ein völlig überlasteter MVV.

Dynamische Stadtentwicklung unter dem ehemaligen OB Hans-Jochen Vogel

Dabei hatte Anfang der 70er-Jahre eine dynamische Stadtentwicklung unter dem damaligen OB Hans-Jochen Vogel (SPD) ihren Höhepunkt erreicht. In seiner Amtszeit entstand das S-Bahnnetz, wurden die U-Bahn und der Mittlere Ring gebaut. Vogel wird daher gern als der „Vater des modernen München“ bezeichnet und auch EX-OB Christian Ude sagte anlässlich des 90. Geburtstag von Vogel: „Vogel war der personifizierte Fortschritt.“ Das wird man über Christian Ude wohl nie sagen können.

Erinnern Sie sich?

Erst die Münchner Bevölkerung hat den Bau der drei großen Tunnels am Mittleren Tunnel per Bürgerbegehren im Jahr 1996 durchgesetzt. Als der erste Tunnel – der Petuel-Tunnel – eröffnet wurde, war der SPD-Oberbürgermeister Ude als bekennender Tunnelgegener natürlich zur Stelle und ließ sich feiern. Jahrelang lief der Verkehr dann auch wirklich gut auf dem nördlichen Ring und die Anwohner waren begeistert von neuen Parks anstelle von Lärm und Gestank.

Der Erfolg der rund eine Milliarde Euro teuren Tunnelbauten wird zu nichte gemacht

Aber Zug um Zug hat wurde der Erfolg des knapp eine Millarde Euro teuren Tunnelprojekts zu nichte gemacht: Am Olympiagelände wurde der Mittlere Ring in Richtung Landhuter Allee auf eine Spur gepresst. Beim Richard-Strauß-Tunnel (Eröffnung 2009) im Osten von München haben die Planer einfach die Ampel an der Auffahrt der Ifflandstraße „vergessen“. Der Luise-Kiesselbach-Tunnel ist ein Beispiel wie man es nicht machen soll: Auf der Garmischer Autobahn gibt es den morgendlichen Dauerstau nach wie vor. Von Norden staut es mehr als vor dem Tunnelbau! In Folge sind die Werte der Luftverschmutzung in der Landshuter Allee noch schlechter geworden.

Geschwindigkeitsbeschränkung als Beruhigungspille für Anwohner

Weil die Stadtplaner nicht mehr ein und aus wissen, haben sie an den beiden Enden der Landshuter Allee festinstallierte Radargeräte aufgestellt und die Geschwindigkeit von 60 km/h auf 50 km/h herunter gesetzt. Im Stau stehende Autofahrer träumen davon, an dieser Stelle 50 km/h zu fahren. Sollte der Verkehr zu anderen Zeiten schneller laufen, bremsen ängstliche Zeitgenossen vor Schreck an den Radargeräten auf 40 km/h runter und kurz darauf beschleunigt die ganze Kolonne wieder – natürlich werden dadurch vermehrt Feinstaub und Abgase erzeugt. Am anderen Ende der Landshuter Allee angekommen wiederholt sich der Vorgang.

Die Stauübersicht zeigt überdeutlich, dass zwischen 16 Uhr 30 und 19 Uhr 30 auf dem Mittleren Ring nichts mehr geht. Ebenfalls betroffen sind die großen Ausfallstraßen und darin einmündende Straßen. Diese Staus sind die Hauptursache für die Luftverschutzung durch den Straßenverkehr. Im Stau beträgt der Ausstoß von Schadstoffen ein Viefaches im Vergleich zu flüssigem Verkehr.

Bürgerbegehren für den Ausbau des MVV

Zeitgleich mit dem Bürgerbegehren zum Tunnelbau stimmten die Münchner 1996 auch für den Ausbau des MVV. Wieso muss man eine Stadtverwaltung, die den Einwohnern öffentliche Verkehrsmittel aufzwingen will, eigentlich zum Ausbau des MVV „anregen“? Der MVV ist hoffnungslos überlastet. Für viel zu teures Geld werden die Fahrgäste wie Sardinen in die Wagons gepresst. Verspätungen der S-Bahn sind die Regel während komplette Zusammenbrüche gefühlt ein bis zweimal im Monat auftreten. Ein Viertel Jahrhundert zu spät wird endlich die zweite S-Bahn-Röhre gebaut und ob diese allein seligmachend sein wird, ist zu bezweifeln.

Langfristige Planungen sind wichtig

Man darf langfristige Planung aber nicht mit verspäteter Planung oder langsamer Umsetzung gleichsetzen. Was hat die Münchner SPD nicht gegen den Transrapid gewettert und für die Express-S-Bahn geworben. Heuer – 15 Jahre nach der Transrapid-Diskussion -  hat der Münchner Stadtrat beschlossen, die Express-S-Bahn bis im Jahr 2037 umzusetzen. Das ist keine langfristige Planung, sondern zeigt das ganze planerische Unvermögen der Münchner Stadtregierung auf.

Die Krone der Fehlplanung

Jetzt setzen die Münchner Stadtplaner der Fehlplanung die Krone auf: Sie wollen in den Umlandgemeinden Land kaufen und dort Wohnungen bauen. In der Stadt werden wegen der sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen weiterhin Betriebe angesiedelt oder vergrößert. Diese Fehlplanung wird das Problem des Pendlerverkehrs mit öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln weiter verstärken.

Wie sehen die Chancen für die Zukunft aus?

Den nächsten 10 Jahre werden die Staus und die Überlastung des MVV zunehmen. Wenn Alles gut geht, wird 2027 die „zweite Röhre“ in Betrieb genommen. Wie groß der Einfluß der zweiten Röhre auf die Kapazitäten des MVV ist wird sich dann heraus stellen. Ein weiterer Ausbau – außer Verlängerungen des S-Bahnnetzes in alle Richtungen und in ferner Zukunft die Express-S-Bahn zum Flughafen – ist nicht beschlossen worden. So lange es keine Ringlösung von S- oder U-Bahn gibt müssen alle Benutzer durch das Stadtzentrum geschleust werden.

Außer der Verlängerung des Tunnels an der Landshuter Allee ist für den Straßenverkehr ebenfalls nicht viel geplant. Diese Verlängerung wird die Situation der von Lärm und Abgasen geplagten Anwohner etwas verbessern. Für den Verkehrsfluss ist die Verlängerung dagegen unbedeutend. Auch der Neubaues des Tunnels am Englischen Garten wird kaum Einfluß auf den Verkehr haben.

Aufgrund der planerischen Versäumnisse in der Vergangenheit, sind mittelfristig leider keinerlei Verbesserungen zu erwarten. S-Bahnen werden weiter in großem Umfang ausfallen – sowie gestern (31.072017) als die Linie zum Flughafen für 3 Stunden unterbrochen war. Münchner Bürger sperren inzwischen in Selbsthilfeaktionen ihre Straßen und tragen so noch mehr zum Verkehrschaos bei. Jetzt will Reiter mit einer neuen Straßenbahnlinie auch noch die Fürstenrieder Straße lahm legen.

Mit Dieselfahrverboten wird OB Reiter (SPD) versuchen seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Es ist aber kaum anzunehmen, dass diese Maßnahme die gewünschten Erfolge in Bezug auf den Rückgang der Luftverschmutzung bringen wird. Der Diesel hat an der Luftverschmutzung in Wirklichkeit im Gegensatz zu den Staus nur einen untergeordneten Anteil (*). Münchens Zweiter Bürgermeister, Josef Schmid (CSU) kümmert sich derweil publikumswirksam um die Bierpreise auf der Wiesn. Das sind doch tolle Zukunftsaussichten. Prost Mahlzeit!

(*) Allgemeine Betrachtungen zu Abgasen und Stromverbrauch durch eMobilität:

Erst war der Diesel für den Feinstaub hauptverantwortlich und plötzlich stellte man fest, dass der Abrieb von Reifen und Bremsen da deutlich höher zu Buche schlägt. Selbst Elektroautos können den Reifenabrieb nicht vermeiden.

Übrigens wurden die Straßen früher regelmäßig gereinigt und teilweise abgespritzt. Das war wohl gar nicht so dumm – heute verzichtet man in München weitgehend darauf (Ausnahme ist die Streugutentfernung nach dem Winter).

Wir werden sehen auf welchen Bestandteilen der Abgase künftig „herumgeritten“ wird. Aktuell ist steht Stickstoffdioxid im Vordergrund.

Wie sieht es eigentlich mit der Entsorgung der hochgiftigen Akkus der Elektrofahrzeuge aus? Wie wird der vermehrte Stromverbrauch des Straßenverkehrs gedeckt? 2022 sollen die letzten deutschen Atomkraftwerke stillgelegt werden. Das wird spannend, denn ab 2030 sollen nach Forderungen einiger Politiker keine Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden.

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