Eibsee-Seilbahn nur noch bis 2. April

von Redaktion Wuermtal.Net

letzte Fahrt nach 54 Betriebsjahren

Neubau Talstation - Start am 21.12.2017
Neubau Talstation - Start am 21.12.2017

Nach 54 Betriebsjahren steht die Seilbahn zur Zugspitze vor ihrer letzten Fahrt

Bis Dezember 2017 bekommt Deutschlands höchster Berg eine neue Seilbahn. Im Rahmen der Bauarbeiten zur neuen Seilbahn Zugspitze wird die bestehende Eibsee-Seilbahn nur noch bis einschließlich Sonntag, den 2. April 2017 in Betrieb sein. Ab Montag, den 3. April 2017 ist die Zugspitze bis zur Eröffnung der neuen Seilbahn am 21. Dezember 2017 von deutscher Seite weiterhin über die Zahnradbahn und die Gletscherbahn erreichbar. Für die Zahnradbahn gilt aus diesem Grund ab dem 3. April 2017 ein neuer Fahrplan. Die Züge zwischen dem Zugspitzbahnhof Eibsee und dem Gletscherbahnhof Zugspitzplatt verkehren dann nicht mehr mindestens stündlich, sondern immer im Halbstundentakt. Die Betriebszeiten der Gletscherbahn, die das Zugspitzplatt mit dem Gipfel verbindet, richten sich wie gehabt nach den Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Zahnradbahn.

Wichtiger Hinweis

vorübergehend geht's nur per Zahnradbahn nach oben (Foto Mediaservice Novotny)
vorübergehend geht's nur per Zahnradbahn nach oben (Foto Mediaservice Novotny)

Durch die baubedingte Außerbetriebnahme der Eibsee-Seilbahn sowie den baulichen und betriebstechnischen Gegebenheiten bei der Zahnradbahn ist die Fahrt auf die Zugspitze für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die zwingend auf einen Rollstuhl angewiesen sind, im Zeitraum vom 3. April bis 20. Dezember 2017 leider nicht möglich. Die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG bittet ihre Gäste in diesem Zusammenhang um Verständnis und freut sich, ab dem 21. Dezember 2017 eine moderne, rollstuhlgerechte Seilbahn in Betrieb nehmen zu können.

Sollten Sie in diesem Zusammenhang Fragen zu Ihrem Zugspitzbesuch haben, steht Ihnen die Auskunft der Zugspitzbahn jederzeit gerne telefonisch unter 08821 797 0 oder per Email an zugspitzbahn@zugspitze.de zur Verfügung.

54 Jahre lang auf Deutschlands höchsten Gipfel und retour

Am 2. April schwebt die Eibsee-Seilbahn ein letztes Mal auf die Zugspitze. Danach schließt sich nach knapp 54 Betriebsjahren ein großes Kapitel in der Unternehmensgeschichte der Bayerischen Zugspitzbahn – und im Seilbahnwesen allgemein. Von der Vision zur bautechnischen Meisterleistung, von der missglückten Generalprobe bis zu rund 21,3 Millionen unfallfrei beförderten Fahrgästen: Zum Abschied sollen noch einmal die Geschichten und Anekdoten rund um die Eibsee-Seilbahn im Mittelpunkt stehen. Eine Würdigung für 54 Jahre treuen Dienst.

Der Traum von einer Bahn auf die Zugspitze geht bis ins vorvorige Jahrhundert zurück. Schließlich schaffen nicht alle Bergfreunde die 2.962 Meter Seehöhe aus eigener Kraft, so wie der Erstbesteiger Joseph Naus im Jahr 1820. Der Weg bis zur Erschließung war jedoch ein steiniger. 1899 klafften Wunsch und Wirklichkeit noch zu weit auseinander und das erste Konzessionsgesuch für den Bau einer Bahn wurde abgelehnt: kein vorhandenes Verkehrsbedürfnis. 1909 träumte der österreichische Ingenieur Josef Cathrein von einer Seilschwebebahn vom Eibsee auf die Riffelwand, doch auch seine Vision war der technischen Entwicklung im Seilbahnbau noch zu weit voraus. So entstand zunächst die Zahnradbahn, die seit 1930 Passagiere auf den höchsten Berg Deutschlands befördert.

Mit dem zunehmenden Tourismus in den 1950er-Jahren stiegen auch die Anforderungen an den Bahnbetrieb. Ein zweites Transportmittel für den Weg auf den Gipfel war gefragt, und Cathreins angedachte Pendelseilbahn mit Talstation am Eibsee war jetzt die richtige Antwort darauf.

Eine außergewöhnliche Konstruktion

54 Jahre lang auf Deutschlands höchsten Gipfel und retour
54 Jahre lang auf Deutschlands höchsten Gipfel und retour

Zügig ging es an die Umsetzung: 1960 wurde die Konzession erteilt, 1961 mit den Bauarbeiten begonnen. Trotz schwierigster Arbeitsbedingungen konnten noch im gleichen Jahr die beiden 85 und 65 Meter hohen Fachwerkstützen und der Rohbau der Talstation entstehen. Oft als wahres Wunderwerk bezeichnet, ist die in knapp zwei Jahren Bauzeit fertiggestellte Eibsee-Seilbahn, die bis heute keinen Vergleich in der Seilbahnbranche weltweit zu scheuen braucht, alles andere als ein unerklärliches Phänomen: „Bei der Eibsee-Seilbahn handelt es sich um eine einzigartige technische Leistung, was Höhenunterschied, Streckenlänge, Stützenstandort, Baudurchführung und die geologischen Rahmenbedingungen betrifft”, erklärt Peter Huber, Technischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn. Auch das ehemalige Vorstandsmitglied Günter Karl, der in 33 Berufsjahren bei der BZB mitverantwortlich für die Eibsee-Seilbahn war, zeigt sich von der präzisen Ingenieursarbeit fasziniert: „Das damals einzigartige Seilsystem mit vier Tragseilen, zwei Zugseilen und einer Spurerweiterung bis zu 24 m, die 85 m hohe Stütze als damals weltweit höchste Stütze einer Personenseilbahn, das Rollenkettensystem für die Tragseile sowie das meines Wissens weltweit überhaupt nur einmal gebaute Kabinenlaufwerk mit Zugseilabwurf bei Seilriss – all das macht die Bahn zum Unikat!”

Unermüdlich im Dienst

Am 1. Dezember 1962 sollte dann der große Tag sein. Jede Menge Ehrengäste waren gekommen, um die offizielle Eröffnungsfahrt auf den Gipfel mitzuerleben. Doch dann stieß ein Reporter unabsichtlich gegen einen Steuerungsschrank und löste eine abrupte Bremsung und einen Zugseilüberwurf aus. Zum Glück kehrten alle Passagiere wohlbehalten ins Tal zurück und nach umfassender technischer Überprüfung nahm die Eibsee-Seilbahn am 15. Mai 1963 endgültig den Betrieb auf. Für die folgenden fast fünfeinhalb Jahrzehnte sollte die missglückte Generalprobe ein gutes Omen darstellen. Ausflugsgäste aus aller Welt schwebten mit der Bahn in nur 10 Minuten Fahrzeit bequem auf Deutschlands höchsten Gipfel und genossen bei schönem Wetter den Blick auf den wildromantischen Eibsee und bis ins oberbayerische Voralpenland. Zählt man die zurückgelegten Kilometer zusammen, sind die beiden Kabinen mit Platz für je 44 Personen seither mehr als 76 Mal um die Erde gefahren. Und bemisst man ihre Leistung in Höhenmeter, wären sie rund 3,42 Mal bis zum Mond geschwebt.

Viel Arbeit hinter den Kulissen

54 Jahre Betriebszeit für eine Pendelbahn sind zwar keine Ausnahme, die Leistung von rund 21,3 Millionen unfallfrei und nahezu störungsfrei beförderten Personen kommt trotzdem nicht von ungefähr. „Natürlich wurde die Eibsee-Seilbahn sehr gut instandgehalten und erhielt zum Beispiel 2003 einen komplett neuen Antrieb mit Steuerung”, berichtet Peter Huber von laufenden Investitionen durch die Bayerische Zugspitzbahn. „Beim alten Antrieb hatten wir noch oft Probleme, die innerhalb kürzester Zeit behoben werden mussten, was jedes Mal aufgrund der Betriebsunterbrechungszeit eine große Herausforderung für die Belegschaft war.” Insgesamt wurde die Bahn 108 Revisionen unterzogen und fachliche Diskussionen mit dem TÜV über technische Spezialprobleme standen an der Tagesordnung. Günther Karl erinnert sich außerdem an wiederkehrende Arbeiten in luftiger Höhe und betrieblich notwendige Nachteinsätze: „Vereinzelt gab es meist witterungsbedingt Störungsfälle, die zu einer Betriebsunterbrechung führten. Eine Gefahr für Fahrgäste bestand aber dabei nie.”
„Servus und danke!“

So entwickelte sich die Eibsee-Seilbahn zu einem Wahrzeichen, das untrennbar mit Bayern und der Zugspitze verbunden ist. Als beliebtes Fotomotiv hat sie sich wohl in Millionen von Fotoalben verewigt, ein Hochseil-Artist und Bungee-Springer brachten sie in die Schlagzeilen. Ihre Stilllegung berührt nicht nur Zeitzeugen des Baus und MitarbeiterInnen der Bayerischen Zugspitzbahn, sondern auch die einheimischen Stammgäste und Touristen aus aller Welt.

Seilbahnneubau - Eröffnung am 21.12.2017

zur Livecam von der Gipfelbaustelle (Bild anklicken)
zur Livecam von der Gipfelbaustelle (Bild anklicken)

Es ist ein Projekt, das nicht nur in die Unternehmensgeschichte der Bayerischen Zugspitzbahn eingeht: Bis Dezember 2017 soll Deutschlands höchster Berg eine neue Seilbahn bekommen. Ein Unterfangen, dessen Planungsphase allein drei Jahre beanspruchte. Zu den größten Herausforderungen zählen nicht nur die Höhenlage und die Wetterbedingungen auf knapp 3.000 Metern über dem Meeresspiegel, sondern auch die exponierte Lage der Baustelle am Berg sowie das Thema Logistik. Denn im Gegensatz zu Baustellen im Tal muss auf der Zugspitze vom Beton bis zum Stahlträger alles just-in-time angeliefert werden, da die Lagermöglichkeiten nur sehr begrenzt sind. Hinzu kommt, dass die Bauarbeiten zur neuen Seilbahn bis Frühjahr 2017 parallel zum laufenden Fahrbetrieb der bestehenden Eibsee-Seilbahn erfolgen, die erst ab diesem Zeitpunkt außer Betrieb genommen wird.

Im Herbst 2014 fiel der Startschuss für das 50 Millionen Euro-Projekt auf der Zugspitze. Im Vordergrund standen zunächst die Baustelleneinrichtung sowie infrastrukturelle Maßnahmen im Bereich Baustellenzufahrt. Nach der aufwendigen, jedoch erfolgreichen Montage des ersten Baukrans im Juni 2015 erfolgte die Errichtung der für die Logistik am Berg unabdingbaren Materialseilbahn. Zeitgleich wurde mit den Spreng- und Felsabtragarbeiten begonnen.

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