Befindlichkeitsanalysen und kleine Gemeinheiten, Alltagsirrsinn in Versen

von Redaktion Wuermtal.Net

Volker Camehn wieder beim Reitverein Würmtal zu Gast

Die Lesung des Otterfinger Dichters Volker Camehn im Reitverein Würmtal in Gräfelfing war wieder ein voller Erfolg. Nach der gelungenen Premiere im letzten Jahr war der Autor und Redakteur erneut im Reiterstüberl zu Gast, um aus seinem neuen Programm „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt“ zu lesen, das übrigens auch als Buch erschienen ist.

Dabei präsentierte der Breitensportlyriker, wie er sich selbst augenzwinkernd nennt, wieder einmal einen Ausschnitt aus seinem zartbitteren Gedichte- und Liederzyklus zwischen Weinen und Lachen, Wut. Wehmut, Witz und bekennender Verzweiflung. „Die meisten Dramen unseres Lebens spielen sich ja im Privaten ab, das zeigt schon ein Blick in die Kriminalstatistik: Fast alle Gewaltdelikte sind Beziehungstaten – von daher passt der Titel wohl ganz gut“, meint Camehn. „Das ist mir aber auch erst nach Fertigstellung meines Buches aufgefallen.“ So behandelte er über weite Strecken das tägliche Scheitern, mal scherzhaft, mal schmerzhaft, abgründig, hintersinnig und heiter; kurz: eine literarische Exkursion der Extreme. Außerdem stand Politisches neben albernen, beschwingten Reimen. „Humor ist ja eine tolle Art der Distanzierung“, befindet der Dichter. „Darum ist es auch immer unterhaltsam. Toller Trübsal, sozusagen.“

Als Neuerung hatte der 1964 in Wolfsburg geborene Dichter diesmal auch sein Keyboard mitgebracht, um seine Verse gesanglich zu begleiten. Dabei sorgte eine leichte Erkältung für den richtigen Sound: „Man sagt, ich würde damit sexy klingen.“ Ergänzt wurde das Programm mit passenden Versen wie dem Gedicht „Die Reiterin“, das im Kreise der Würmtaler Reiter natürlich gut aufgenommen wurde. Weiter ging es dann mit Geschichten und Gedichten aus dem Alltag, mal tiefsinnig, mal heiter in munterer Abwechslung. Dabei sorgte Volker Camehn immer wieder für Schmunzeln, ließ aber auch nachdenkliche Momente aufkommen.  

„Ich sehe mich weniger als Künstler, denn als Geschichtenerzähler. Mal gibt’s was zu kichern, mal ist das alles furchtbar traurig. Interpretieren muss das aber der Leser beziehungsweise Zuhörer selbst“, so der aus Niedersachsen stammende Künstler, dessen Lyrik-Projekt „Prost & Prosa“ vor zwei Jahren entstand. „Ich behandle in meinen Texten Stimmungen von heiter bis wolkig, von traurig bis tragisch, von politisch bis popelig, manchmal kopflastig, immer wieder gerne kopflästig und stets feinsinnig-verschmitzt“, beschreibt er seinen Stil und genau das hat er dann auch abgeliefert. Sehr zur Freude der Zuhörer.

(Martina Scheibenpflug - Reitverein Würmtal)

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