Rossinis sakrales Spätwerk im Original

von Redaktion Wuermtal.Net

die „Petite Messe solennelle“

Sul Bi Yi gibt mit der Andechser Chorgemeinschaft ihre Premiere als Dirigentin am Heiligen Berg.

Sul Bi Yi gibt mit der Andechser Chorgemeinschaft ihre Premiere als Dirigentin am Heiligen Berg. 

Am Samstag, den 6. Mai 2017, um 18 Uhr, wird die Andechser Chorgemeinschaft unter der Leitung von Sul Bi Yi im Florian-Stadl ein recht selten gespieltes kirchenmusikalisches Werk in seiner Original-Fassung aufführen: die „Petite Messe solennelle“ von Gioachino Rossini (1792-1868).

Der eher als Komponist von Opern im Stil des Belcanto berühmt gewordene Rossini, schrieb über 30 Jahre nach seiner letzten Oper 1863 die „Petite Messe solennelle“ mit einer relativ seltenen Instrumentalbesetzung: Klavier und Harmonium. Das Konzert verspricht ein neues Klangerlebnis im Andechser Florian-Stadl.

Die Partien als Solisten übernehmen allesamt junge Künstler aus dem Umfeld der Münchner Musikhochschule, die Sul BI Yi zu einem ausdrucksstarken Ensemble zusammengestellt hat. Katharina Burkard (Sopran), Theresa Holzhauser (Alt), Sungmin Song (Tenor) und Heeyun Choi (Bass) übernehmen die Gesangspartien. Am Klavier debütieren im Florian-Stadl So Hyang In und am Harmonium Benedikt Celler.

Die „Petite Messe solennelle“ steht im Blick auf ihre Gliederung und ihren Umfang klar in der Tradition der Missa solemnis. Die ungewöhnliche Besetzung der Messe verweist aber auf die neapolitanischen Cembalo-Tradition des 18. Jahrhunderts. Wobei der Name „Kleine Messe“ zunächst irritiert.

Eine "kleine Messe", die fast eineinhalb Stunden dauert

Aber dies erklärt sich schnell, wenn man weiß, dass unter den vielen Begabungen Rossinis seine Fähigkeit zur Selbstironie besonders ausgeprägt war. Seine letzte, fast eineinhalb Stunden dauernde Mess- Komposition zur „Kleinen Messe“ zu erklären, ist bezeichnend für ihn. Lange Zeit wurde er lediglich als Komponist der fast 40 Opern gefeiert, die er innerhalb von 20 Jahren schrieb. Aber Rossinis Werk ist weit facettenreicher, wie die „Petite Messe solennelle“ in ihrer Originalfassung von 1863 bezeugt.

Mit einer für ihn charakteristischen Mischung aus Bescheidenheit, Koketterie und Spott schreibt Rossini in einer Widmung zur „Petite Messe solennelle“: „Lieber Gott, hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch verfluchte Musik (sacrée musique)? Ich bin für die Opera buffa geboren, Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“

Rossinis Favorit: die Original-Fassung für Klavier und Harmonium

Kurz vor seinem Tod schrieb Rossini aber doch noch eine Orchesterfassung für die „Petite Messe solennelle“. Vor allem trieb ihn der Gedanke um, dass seine Messe nach seinem Tod durch Bearbeitungen anderer Komponisten entstellt werden könnte. Rossini selbst favorisierte nach wie vor die Original- Fassung für Klavier und Harmonium. Erst nach seinem Tode – so Rossinis Verfügung - durfte die Fassung für Orchester aufgeführt werden. Diese wurde zunächst auch bevorzugt aufgeführt, bis die Original-Fassung und wieder mehr und mehr Anhänger gewann.

Kartenvorverkauf:

Karten zu 40, 30 und 20 Euro an der Klosterpforte (08152-376-400),
über MünchenTicket (089-54818181; www.muenchenticket.de)
und alle angeschlossenen Vorverkaufsstellen.
Schüler und Studenten erhalten auch im Vorverkauf 50 % Ermäßigung (Ausweiskontrolle).

Die Dirigentin:

Sul Bi Yi (Foto: Shin, Dong-A)
Sul Bi Yi (Foto: Shin, Dong-A)

Sul Bi Yi wurde 1988 in Südkorea geboren. Ihren ersten Klavierunterricht erhielt sie bereits 1991.
2006 begann sie an der Hochschule für Musik und Theater München zunächst das Studium der katholischen Kirchenmusik, zwei Jahre darauf studierte sie das Konzertfach Orgel bei Prof. Harald Feller.
Chorleitung studierte sie bei Prof. Michael Gläser, Orchesterleitung bei Prof. Christoph Adt und das liturgische Orgelspiel bei Wolfgang Hörlin. 2013 schloss sie ihre Studien ab und ist seit 2014 Mitglied der Orgel- Meisterklasse von Bernhard Haas an der Münchner Musikhochschule.

Zahlreiche Preise wurden Sul Bi Yi bisher verliehen. 2016 gewann sie den Internationalen Rheinberger Wettbewerb für Orgel in Vaduz, 2013 erhielt sie den 1. Preis und den Sonderpreis (für die beste Interpretation von Wagner-Liszt) beim Internationalen Orgelwettbewerb in St. Maurice (Schweiz). 2011 wurde ihr beim Gasteigwettbewerb in München ebenfalls ein Sonderpreis verliehen. 2009 gewann Sul Bi Yi den Bertold-Hummel Wettbewerb in Regensburg. Mit ihrer breit gefächerten Ausbildung auf den Gebieten der Orgel- und Kirchenmusik, sowie der Chor- und Orchesterleitung hat Sul Bi Yi auch die Andechser Chorgemeinschaft neu aufgestellt. Ihr Orgelkonzert Debüt gab sie Ende November 2016 in der Andechser Wallfahrtskirche.

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