Die Gelbe Post im Würmtal - 3. Teil

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Teil 1 - Die Strategie
Teil 2 - Die akutelle Situation
Teil 3 - Die Post-Agentur in Lochham

 

Die Post-Agentur in Lochham

Die Vorgeschichte
Die Post bat Peter Toch, den Inhaber eines Geschäfts für Foto-Digitalisierung, eine Postagentur zu eröffnen. Toch hat deshalb am 1. Oktober 1998 in seinem Laden eine Agentur eingerichtet. Er versprach sich davon, dass auch sein Fotogeschäft vom zusätzlichen Kundenverkehr profitieren werde.

In diesem Fotogeschäft in der Lochhamer Straße war früher die Postagentur.
In einer Ecke des Geschäftes baute er einen Schalter auf, an dem seine Kunden alle Postangelegenheiten einschließlich der Postbank-Geschäfte erledigen konnten. Für diesen Schalter zahlte ihm die Deutsche Post AG rund 400 Mark netto monatliche Miete. Zusätzlich erhielt er eine Provision, beispielsweise vier Prozent vom Wert der verkauften Briefmarken.

Doch wie andere Agenturbesitzer hat auch er schlechte Erfahrungen mit diesem Modell gemacht. Schon bald bemerkte er, dass der Arbeitsaufwand für die auf 630-Mark-Basis eingestellte Aushilfe zu groß war und er stellte eine zweite Aushilfe ein. Damit wurde das Geschäft mit der Agentur für Toch unrentabel. "Vor allem an Ostern und Weihnachten reichte der Platz nicht für die Pakete und Päckchen," ergänzt er.

Zudem bemerkte Toch nach drei Monaten: "Das haut hinten und vorne nicht hin." Die Abrechnungen der Post stimmten mit den eigenen nicht überein. Vor allem bei den Briefmarken gab es Differenzen. "Es kam zu einer doppelten Verbuchung, aber mir wurden die Beträge nur einmal gutgeschrieben", berichtet Toch.

Er habe sich daraufhin im Frühjahr 1999 mit der Post in Verbindung gesetzt, um den Sachverhalt zu klären. Die Post reagierte nach Auskunft Tochs mit der fristlosen Kündigung des Vertrags zum 30.September 1999.

Toch nimmt an, dass die Abrechnungssoftware der Post fehlerhaft war, was die Post bestritt: Die eingesetzte EPOS-Software sei absolut fehlerfrei, hieß es dazu in einem Brief an Toch. Er sei der einzige, bei dem es Probleme gebe. Als Toch sich bei anderen Postagenturen in Bayern umhörte, merkte er bald, dass er keineswegs der einzige mit Problemen war. "Die Deutsche Post AG ging teilweise mit massiver Einschüchterung gegen Postagenturen vor, die Schwierigkeiten bei der Abrechnung hatten. Wir Ladeninhaber wurden als Betrüger dargestellt. Ich habe von Ladenbesitzern gehört, deren Geschäfte verschmutzt wurden, als die Schalter aus den Verankerungen gerissen wurden."

Irmgard Dachs aus Landsberg am Lech berichtet Ähnliches. Sie führte in ihrem Laden von 1993 bis 1998 eine Postagentur und bemerkte stetig steigende Differenzen in den Abrechnungen. "Der zuständige Agenturleiter von der Post kam gelegentlich vorbei, allerdings nur während der normalen Geschäftszeiten. Der Laden war voll Kunden, so dass wir die Probleme kaum ernsthaft besprechen konnten. Danach kamen unschöne Anrufe aus der Geschäftsleitung Starnberg." Wie auch Peter Toch musste sie sich sagen lassen, dass ihre Agentur die einzige mit Schwierigkeiten sei. "Schließlich rückten sie wie die Mafia mit fünf Mann an, um die Computer abzubauen. Ich sollte die Kündigung sofort unterschreiben", fährt sie fort. Den Computer habe sie dann ihrem Anwalt zur Verwahrung gegeben. Sie beauftragte einen Gutachter damit, die Sache zu untersuchen. Die Post verweigerte diesem aber die Herausgabe des Passworts für den Computer, so dass er die Daten nicht einsehen konnte.

Keine Probleme hat dagegen Alexander Leimer, der die Postagentur in Stockdorf seit einem Jahr führt. "Die Poststelle ergänzt sich ganz gut mit meinem Lotto- und Zeitschriftengeschäft", stellt er fest.

Die Software mit Fehlern

Die selbstentwickelte EPOS-Software der Deutsche Post AG wurde durch ständig neue Updates aktualisiert. Am 13. Oktober 1999 gab die Post in einem Schreiben an alle Postagenturen zu, dass die Software fehlerhaft sei und schrieb ihnen jeweils 300 Mark gut. Für Peter Toch kam dieses Zugeständnis aber zu spät. "Ich habe mich genug mit denen herum geärgert." Er akzeptierte die fristlose Kündigung und seit dem 30. September 1999 gibt es in Lochham keine Postagentur mehr. "Ich würde allen abraten, eine Postagentur zu übernehmen", sagt Peter Toch heute. In der Zwischenzeit hat ihm die Post eine erneute Prüfung seines Falles zugesagt, die derzeit im Gang ist.

Der Pressesprecher der Post, Edwin Nier, verweigert wegen des derzeit schwebenden Verfahrens eine Stellungnahme. Er verweist aber darauf, dass verschiedene Gerichtsurteile das Buchungssystem der Post als korrekt bestätigt hätten.

Senioren trifft es am stärksten

Viele Bewohner des Seniorenwohnheims müssen den Bus benutzen, um die Post in Gräfelfing zu erreichen.
Für viele Lochhamer ist das Leben ohne Postfiliale und -agentur am Ort beschwerlicher geworden. Insbesondere die Bewohner des BRK-Seniorenwohnheims Rudolf- und Maria-Gunst-Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite der ehemaligen Postagentur sind betroffen: "Wir sind sehr empört und haben dagegen protestiert und Unterschriften gesammelt. Aber die Leute im Altersheim sind anscheinend unwichtig. Wer kein Auto hat, ist in dieser Gemeinde uninteressant", beschwert sich Lydia Rauch, Bewohnerin des Heims. Die Verwaltung des Altersheims hat reagiert und verkauft Briefmarken an die Senioren. "Für die Senioren ist es sehr beschwerlich und unbefriedigend, nach Gräfelfing zur nächsten Postfiliale zu fahren. Deshalb haben wir uns angeboten, unentgeltlich ein Stück Lebensqualität zu erhalten", erklärt Irmgard Stockinger, Leiterin des Seniorenwohnheims. Zehn oder zwanzig Briefmarken zu verkaufen sei kein Problem, aber ein zusätzlicher Aufwand. Pakete, Päckchen und Einschreiben übernimmt die Verwaltung aber nicht.

Auch Geschäftsleute sind davon betroffen, dass keine Postagentur mehr vorhanden ist. "Wir müssen unsere Post jetzt erst an unsere Zentrale weiterleiten," heißt es in der Sparkasse. In der Apotheke beschweren sich vor allem die Kunden: "Die Leute sind ein bisschen sauer", berichtet eine Mitarbeiterin. Der Tengelmann-Filiale hingegen entstehen aus der Schließung keine Probleme.

Neue Postagentur in Aussicht

Der Bürgermeister von Gräfelfing, Dr. Eberhard Reichert, kennt das Problem der Senioren. "Natürlich ist es eine Verschlechterung, von der Postfiliale über die Postagentur hin zu gar nichts". Er bemüht sich derzeit in Zusammenarbeit mit der Post um eine Lösung. Er habe auch schon einen Kandidaten für die Übernahme einer Postagentur in Lochham. Wen, verrät er jedoch noch nicht. "Es ist dann für die Senioren nicht ganz so leicht wie vorher, aber mit dem Bus bequem zu erreichen", verspricht er.

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Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Service der Post gemacht? Sollten mehr Postagenturen im Würmtal eingerichtet werden? Sehen Sie die Problematik der E-Mail ähnlich dramatisch wie der Datenschutzbeauftragte? Schreiben Sie über ihre Eindrücke in unserem Diskussionsforum zu diesem Thema.
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jj

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